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© Besim Mazhiqi
© Besim Mazhiqi

Der Leocampus

Ein Haus voller Fragen – und voller Menschen, die Antworten suchen

Auf dem Leocampus leben angehende Priester, künftige Gemeinde- und Pastoralreferentinnen und -referenten sowie junge Menschen im Orientierungsjahr unter einem Dach. Sie teilen sich Küchen, eine Kirche und die großen Fragen des Lebens. Ein Ort mitten in Paderborn, an dem man herausfinden kann, wofür man eigentlich brennt.

Ziele und Vision des Leocampus

Berufung ist kein Karriereprojekt

Es gibt Orte, an denen man lernt, wie man etwas wird. Der Leocampus will eher ein Ort sein, an dem man herausfindet, wer man ist und welche Idee Gott für das eigene Leben hat. Und an dem man dann auch den Mut findet, loszugehen.

Erzbischof Bentz hat das bei der Eröffnung in einen Satz gefasst: „Berufung ist keine Leistung, sondern eine Antwort.“ Gott sucht zuerst, der Mensch darf sich finden lassen. Das klingt passiv, ist aber das Gegenteil. Wer gefunden werden will, muss erreichbar sein.

Damit das gelingt, setzt der Campus auf drei Dinge:

  • Räume für Stille, Gebet und ehrliche Fragen: Was will ich wirklich? Was steckt in mir? Wovor habe ich Angst, und wozu habe ich Mut?
  • Menschen, die zuhören, statt sofort Antworten zu verteilen, und die beim Unterscheiden helfen.
  • Gemeinschaft, in der sich verschiedene Berufungen ergänzen, statt miteinander zu konkurrieren.

Wir verstehen den Campus in diesem Sinne als Laboratorium der Berufungen, auf dem zwar Schutzbrillen nicht nötig sind, Experimentierfreude schon.

Dahinter steht die Vision einer Kirche, die nicht bei sich selbst bleibt. Sie ist neugierig auf die Fragen ihrer Zeit, kann Brücken bauen und hat erkennbar Freude an dem, was sie glaubt.

Wofür der Leocampus steht

Keiner lebt sich selber

Über dem Campus steht seit seiner Errichtung ein Satz aus dem Römerbrief des Apostels Paulus: „Keiner von uns lebt sich selber“ (Röm 14,7). Man könnte ihn als Hausordnung in sechs Wörtern lesen. Vor allem ist er aber eine Zusage: Du bist hier nicht allein unterwegs.

Für ein Sowohl-als-auch. Glaube und Vernunft, Gebet und Alltag, Denken und Gottesdienst, Priester und Laien, Frauen und Männer: Das gehört hier zusammen. Es geht nicht immer reibungslos, aber gerade daran wächst man.

Für Glauben mitten im Leben. Glaube soll kein Insiderprojekt sein. Er spricht die Sprache der Menschen und stellt sich ihren Fragen, Zweifeln und Hoffnungen.

Für Aufbruch. Der Schriftsteller Arnold Stadler hat einmal angemerkt, er sei kein Baum und habe deshalb keine Wurzeln, sondern Beine. Erzbischof Bentz hat daraus eine Einladung gemacht: „Verwurzelt sein – aber nicht festgewachsen.“ Wer Halt gefunden hat, kann losgehen, hin zu den Menschen. Dafür muss niemand nach Rio auswandern. Paderborn reicht auch.

Für deinen eigenen Weg. Wir wollen deine ganz eigenen Talente und Begabungen fördern und gemeinsam mit dir entdecken, wo du sie einsetzen kannst. „Aus so krummem Holze, als woraus der Mensch gemacht ist, kann nichts ganz Gerades gezimmert werden“, schrieb einmal Immanuel Kant. Bei der Eröffnung sagte der Erzbischof, das dürfe man auch über die jungen Menschen auf dem Campus sagen. Und gerade aus krummem Holz und dem ganz eigenen Weg könne Heiligkeit erwachsen.